Spannend ab der ersten Minute

Leserbrief

In der Herderschule beschäftigten sich die Schüler in einem Projekt mit dem Thema Gewalt. Worum es dabei ging und was die Schüler erlebten, teilt Lehrerin Mandy Wenzel in einem Leserbrief an die Lokalredaktion mit.

Gewaltprävention


Gewalt von Jugendlichen in und außerhalb der Schule ist in den letzten Jahren zunehmend in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gerückt. Sind Jugendliche gewaltbereiter als früher? Einigkeit herrscht dagegen weitgehend darüber, dass sich die Darstellung von Gewalt in den Medien verändert hat. Dies hat Auswirkungen auf die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen.
In einer Zeit, in der Gewalt an Schulen immer öfter Schlagzeilen macht, rückt die Gewaltprävention verstärkt in den Fokus von Schulen. Auch wir haben uns dieser Herausforderung gestellt, um ein respektvolles, gewaltfreies Umfeld für unsere Schüler und Lehrer zu schaffen. Unterstützend war hier die Kooperation mit der Polizei des Salzlandkreises. Diese stellte uns als Schule eine geschulte und erfahrene Polizeibeamtin zur Seite, die in allen Klassenstufen 5–10 ein ganztägiges Gewaltpräventionsprojekt umsetzte. Dies sprach sich auch schnell bei den Schülern herum. Neugier und Interesse waren in allen Altersstufen zu spüren, allein schon aufgrund des sehr präsenten Erscheinungsbildes der Polizeibeamtin, die in kompletter Dienstkleidung und dazugehörigem Equipment das Projekt durchführte.
Das Projekt war von der ersten Minute an klar und spannend aufgebaut. Spätestens, als Alltagsbeispiele spielerisch zugeordnet werden sollten, war jeder Schüler mit im Boot. Leises Raunen ging durch die Klassen, als anhand eines Gewaltbarometers deutlich gemacht wurde, wie viele Schüler bereits Gewalt erlebt und oder Gewalt ausgeübt haben. Besonders emotional wurden unsere Schüler berührt, als die Beamtin einen dramatischen Fall aus ihrer Arbeitswelt darlegte, wo ein junger Mensch aufgrund von massiven Mobbingerfahrungen sich das Leben nahm. Die Entstehung von Mobbing wurde von der Beamtin nochmals vertieft, indem sie auf eine sehr erlebnisorientierte Methode zurückgriff, die sogenannte mexikanische Welle. Bei dieser Übung wurde allen deutlich, welche Macht die Mitläufer haben und wie wichtig es ist, dass nur Einer Nein sagen muss, um die Welle zu brechen. Für uns als Lehrer war es manchmal traurig zu erleben, dass es Schüler an unserer Schule gibt, die in Notsituationen und Problemlagen keinen „Anker“ in ihrem Leben haben, auf den sie zurückgreifen können. Aber auch dies wurde im Projekt sofort besprochen und aufgezeigt, dass es alternative Hilfsangebote gibt, wie zum Beispiel die Nummer gegen Kummer. Gut war auch an dieser Stelle, dass unsere Schulsozialpädagogin Frau Franke auf diese Einzelfälle im Projekt aufmerksam wurde, und nun können einige Kinder bei der Bewältigung ihrer Probleme langfristig begleitet werden. Den Abschluss des Projekttages machten Filmausschnitte, die das Gelernte vom Tag zusammenfassten, und somit konnten die Schüler ihr erworbenes Wissen anwenden.
Der O-Ton aller Lehrer ist: Die direkte Ansprache und die ungeschönte Darstellung von den traurigen Folgen, die Gewalt und Mobbing nach sich ziehen können, machten die Schüler gleichermaßen betroffen und nachdenklich. Die Veranstaltung war somit ein voller Erfolg und wird hoffentlich nicht nur im Gedächtnis der Schüler bleiben, sondern auch im Schulalltag dazu anregen, das eigene Verhalten zu überdenken.

 

vs_logo_li.gif

Schönebecker Volksstimme vom 02.03.2024

Lizenzen & Quellen




Datenschutzerklärung